Arbeitstreffen in der russischen Botschaft


Am 5. April fand in der Botschaft der Russischen Föderation ein Treffen von Vertretern der Vereine, Partnerstädte sowie Organisationen und Initiativen, die in der deutsch-russischen Zusammenarbeit aktiv sind mit Sergej Netschajew, Botschafter der Russischen Föderation und Mitarbeitern der Russischen Botschaft statt. Nach einer Begrüßung durch Botschafter Netschajew wurde im Wechsel von kurzen Einführungsvorträgen mit anschließenden Fragen und Diskussionen zu verschiedenen Themenblöcken diskutiert. Beim Punkt „Arbeit der deutsch-russischen Vereine und Gesellschaften – aktuelle Schwerpunkte und Probleme sowie künftige Arbeitsschwerpunkte und Perspektiven“ stellten Eva Aras, Partnerschaftsverein Köln-Wolgograd, und Manfred Czychi, Freundschaftsgesellschaft Karlsruhe-Krasnodar, die Arbeit ihrer Vereine dar. Beim „Blick auf die deutsch-russischen Städtepartnerschaften“ blickte Peter Steger, Partnerschaftsbeauftragter der Stadt Erlangen, auf die langjährige Zusammenarbeit mit der Partnerstadt Wladimir. Gerhard Laier, Deutsch-Russische Gesellschaft Ettlingen, stellte die Zusammenarbeit mit Gatschina dar. Jens Koopmann, Partnerschaftsbeauftragter der Stadt Osnabrück, präsentierte gemeinsam mit Maria Madenowa, Städtebotschafterin aus Twer, das Austauschprojekt von Städtebotschaftern mit fünf Partnerstädten. Beim Thema „Fragen zum Kulturaustausch und der Präsentation russischer Kultur in den Regionen“ stellten Franz Kiesl, Forum Russische Kultur Gütersloh, die vielfältige Kulturarbeit des Vereins u.a. mit jährlich 12 bis 15 Musikveranstaltungen und Christiane Marx, Deutsch-Russische Gesellschaft Münster/Münsterland, die Russischen Filmtage in NRW sowie die Zusammenarbeit des Wolfgang Borchert Theater Münster mit dem Staatlichen Dramentheater in Münsters Partnerstadt Rjasan vor. Der 1. Botschaftsrat Oleg Ksenofontow, Leiter Referat Kultur und Medien, machte die rund 70 Teilnehmer mit den diesjährigen „Russian Seasons“ mit insgesamt fast 400 Veranstaltungen in ganz Deutschland bekannt. Mit dem Projekt will sich die russische Kultur dem ausländischen Publikum präsentieren. Bei Thema „Sprachförderung Russisch – Probleme und Perspektiven“ legten Willi Lückel, Vorsitzender des Deutschen Russischlehrerverbandes und Oksana Kogan-Pech, Projekt RussoMobil, die zum Teil recht schwierige Situation des Russischen an den deutschen Schulen dar. Russisch steht bei Deutschlands Schülern bei der Sprachwahl an 5. Stelle, derzeit lernen etwa 105.000 Schüler Russisch. Mit Blick auf das „Deutsch-Russisches Jahr des Wissenschaftsaustausches, Probleme Fachaustausch“ stellte Helene Luig-Arlt, Deutsche Freundschaftsgesellschaft West-Ost in Schleswig-Holstein, die Arbeit des BDWO-Arbeitskreises Fachaustausch vor. Botschaftsrat Alexander Rusinow, Leiter des Referates für Bildungs-, Wissenschafts- und Technikfragen, stellte Projekte des gegenwärtigen „deutsch-russische Kreuzjahres“ vor und verwies auf die kürzlich zwischen Deutschland und Russland beschlossene „Roadmap“ der Zusammenarbeit im wissenschaftlichen Bereich für die kommenden zehn Jahre. Besprochen wurden auch „Visafragen“, dabei dankte Helmut Hinrichs, der russischen Seite insbesondere dafür, dass Russland bisher darauf verzichtet habe bei der Visabeantragung Fingerabdrücke zu nehmen wie sie seit September 2017 für ein Schengen-Visum bereits von Kindern ab 12 Jahren genommen werden. Botschaftsrat Konstantin Nefedow, Leiter der Konsularabteilung, verwies darauf, dass im Jahr 2018 360.000 Visa erteilt wurden. Er betonte, dass die russische Seite jederzeit auf der Basis von Gegenseitigkeit zu Visa-Erleichterungen bereit sei.

Mitgliederversammlung und Bürgerreisen 2019

DRG Vorstand, v. r. n. l.: Gabriele Umbach-Kuhnke, Dr. Reinhard Zinburg, Gerhard Laier, Irina Schneider, Roswitha Krahn, Doris Feigenbutz, Gerhard Feigenbutz.

 

Die diesjährige Jahreshauptversammlung fand Anfang Februar im Begegnungszentrum in Ettlingen mit überdurchschnittlicher Beteiligung statt.
Der Vorsitzende Gerhard Laier erinnerte daran, dass die 70 Gründungsmitglieder am 26.Januar 1989 die damals so genannte „Deutsch-Sowjetische Gesellschaft Ettlingen“ aus der Taufe gehoben hätten und nach dem Zerfall der Sowjetunion der Name in: „Deutsch-Russische Gesellschaft Ettlingen“ geändert worden sei, eine weltanschaulich und vor allem auch politisch absolut neutrale und unabhängige Vereinigung. Am 12.Juni 1992 ist dann in Gatschina bei St. Petersburg und am 3.Oktober desselben Jahres in Ettlingen vom damaligen OB Josef Offele und seinem Kollegen Stanislav Bogdanov in Russland der Partnerschaftsvertrag unterzeichnet worden. 2019 ist also ein Jubiläumsjahr für die DRG. Die Mitgliederversammlung diskutierte die von Prof. Dr. Umbach vorgeschlagenen Satzungsänderungen, die einstimmig mit einer Enthaltung gebilligt wurden. Neu eingeführt wurde das Amt des Beirates und erfreulicherweise konnte Minister a.D. Dr. Erwin Vetter sogleich dafür gewonnen werden. Interessant und spannend waren natürlich die Wahlen, die ebenfalls überraschend einstimmig mit jeweils der Enthaltung der Kandierenden erfolgten, und nachdem der Vorstand einstimmig entlastet und die Kassenprüfung positiv ohne Einschränkung akzeptiert worden war, folgendes Ergebnis hatten: Gerhard Laier, 1.Vorsitzender; Gabriele Umbach-Kuhnke, 2. Vorsitzende; Dr. Reinhard Zinburg, Schatzmeister; Roswitha Krahn, Schriftführerin; Doris Feigenbutz, Irina Schneider und Gerhard Feigenbutz, Beisitzerin/Beisitzer. Der bisherige stellvertretende Vorsitzende Winfried Ecker und weitere Amtsträger wie Renate Froehlich, Iris Heipek-Beetz und Dr. Rüdiger Dierkesmann (1989 damals als erster Vorsitzender gewählt) scheiden aus ihren Ämtern aus, ihnen allen dankte G. Laier herzlich und würdigte ihre Mitarbeit.

2019 sind zwei Bürgerreisen nach Russland geplant: Vom 25.Mai bis 2.Juni nach St. Petersburg und in die Partnerstadt Gatschina, sowie eine ganz besondere Reise vom 20.-28.Juli von Moskau aus über den „Goldenen Ring“ zu den alten historischen Städten Sergijew Possad, Suzdal, Wladimir, Rostow Welikij und Jaroslawl. Interessenten – auch für Mitarbeit im Verein – mögen sich bei der DRG unter 07243 53 65 88 oder E-Mail info@drg-ettlingen.de bitte melden.

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Programm Demokratie Leben, Präsentation der Ergebnisse

Elf Schülerinnen aus Gatschina wa­ren eine Woche mit ihrer Deutsch-Leh­rerin des Uschinskij Gymnasiums im November zu Gegenbesuch in Ettlingen und Umgebung. Die Schüler arbeite­ten länderübergreifend im Projekt­team „Zwangsarbeiter in Ettlingen“ zusammen. Mit Erfolg. Im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie Le­ben“ stellte zuvor Gerhard Laier von der Deutsch-Russischen-Gesellschaft (DRG) einen erfolgreichen Förderan­trag für das Bundesprogramm „Demo­kratie Leben!“. „In unserer Stadt gab es zwischen 1939 und 1945 rund 3 000 Menschen, die zur Zwangsarbeit in 250 Ettlinger Betrieben gezwungen wur­den“, so DRG-Vorsitzender Laier. Im November nun präsentierte man in der evangelischen Paulusgemeinde die Er­gebnisse -erstellte Flyer und Informationstafeln zum Thema Zwangsarbei­ter in Ettlingen im Dritten Reich – mit allen am Schüleraustausch beteiligten Schüler aus Ettlingen, Karlsbad und Gatschina. Schülerinnen aus Gatschi­na trugen Erinnerungen einer ehemali­gen Zwangsarbeiterin in Ettlingen vor. Andreas Schulz, Fachreferent der Lan­deszentrale für politische Bildung Ba­den-Württemberg, erklärte: „Wir ha­ben vielleicht gerade heute Sichtbar­keit, die eine offizielle Anerkennung und Aufarbeitung in Ettlingen so lange Zeit verhindert hatte, nötig. Neben der kollektiven Erinnerung existierte lan­ge Zeit das Phänomen der kollektiven Verdrängung.“           

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Schüleraustausch mit Gatschina

Auf „Gegenbesuch” waren in der vergangenen Woche elf Schülerinnen und Schüler des Uschinkskij-Gymnasiums; im September waren die deutschen Schülerinnen und Schüler in Russland gewesen.

Seit über 20 Jahren gibt es die Austauschprogramme an den beiden Partnerschulen Gymnasium Karlsbad und Wilhelm-RöpkeSchule, alle zwei Jahre machen sich junge Leute auf die Reise, um sich über die Kultur und die Gesellschaft des jeweils anderen Landes, vor allem aber über den sozialen und schulischen Alltag der Gleichaltrigen zu informieren, Kontakte zu knüpfen, Sprachkenntnisse auszuprobieren und zu vertiefen. Unterstützung erfahren dieOrganisatoren von der Deutsch-Russischen Gesellschaft Ettlingen in Person von Gerhard Laier, für die Zusammenstellung des Programms und die Begleitung der Schüler zeichnen von russischer Seite die Deutschlehrerin Irina Elagina und von deutscher Seite Inessa Harsch (Wilhelm-Röpke-Schule) und Katrin Evert(Gymnasium Karlsbad) verantwortlich. Die Woche in Ettlingen und Umgebung warvollgepackt mit Ausflügen und Besichtigungen, Unterrichtsbesuch und Zerstreuung. Auch ein Empfang durch Bürgermeister Dr. Moritz Heidecker in Ettlingen war eingeplant, da er krankheitshalber verhindert war, übernahm KarinHerder-Gysser den Part, die Volkshochschuldirektorin ist bei der StadtEttlingen zugleich für die Städtepartnerschaften zuständig. ImTrausaalvorzimmer des Schlosses begrüßte sie im Namen von BürgermeisterHeidecker und Oberbürgermeister Johannes Arnold die kleine Gruppe, die inBegleitung der beiden Schulleiter Claudia Märkt von der Wilhelm-Röpke-Schuleund Christian Wehrle vom Gymnasium Karlsbad gekommen war.

Ettlingen befindet sich in einem ganzen Geflecht von Städtepartnerschaften, wie Karin Herder-Gysser auf einer Karte zeigte. Dievielfältigen Beziehungen nach Epernay, Clevedon, Middelkerke, Löbau, Menfi und Gatschina sowie die Partnerschaften der Stadtteile seien nur möglich, „weil Menschen dahinter stehen”. Ob in Vereinen, aus persönlichen Gründen, in Schulen: Menschen aller Generationen und aller sozialen Schichten treffen sich auf städtepartnerschaftlicher Ebene, und dies sei nicht zuletzt im Kontext zum 100. Jahrestag des Endes des 1. Weltkrieges gut so. Denn wer sich kenne, bekriege sich nicht. Daher sei es auch so wichtig, wenn sich die junge Generationbegegne, dies sei für sie ganz persönlich Grund zur Freude, betonte KarinHerder-Gysser. Sie ging kurz auf die Geschichte der Städtepartnerschaft mit Gatschina ein, die 1992 offiziell besiegelt wurde. Sie dankte auch im Namen der Rathausspitze allen, die an den Vorbereitungen und der Durchführung des Austauschs beteiligt waren und sind, vor allem aber den Gastfamilien, die ihre Wohnungen und Häuser öffnen für die jungen Leute. Und was fiel den jungen Russinnen und Russen als erstes auf, als sie aus dem Bus stiegen? „Die Häuser sehen anders aus, sympathisch!” meinte eine der Schülerinnen. Ein guter erster Eindruck! Auf dem Programm der Besuchswoche standen Unterrichtsbesuch, Stadtführungen in Ettlingen, Durlach und Karlsruhe, Baden-Baden und Heidelberg, dort auch ein Gang über den Philosophenweg. Ein Ausflug in die Pfalz war geplant sowie sportlich-freizeitmäßige Aktionen wie Minigolf, Bowling oder Ähnliches sowie ein gemeinsames Abschlussessen. Familientag war traditionell der Sonntag.

Förderprojekt der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft

minderjährige Gefangene aus dem Rayon Gatschina zum Gespräch in Ettlingen


Vom Besuch in Deutschland angetan

Zeitzeugen aus Ettlingens Partnerstadt Gatschina erzählen von ihrer Kindheit im Krieg

Erinnerungen an eine schlimme Zeit

Ettlingen und Gatschina – diese Ver­bindung ist nicht nur durch die seit 1992 bestehende Städtepartnerschaft eine besondere. Regelmäßig bemüht sich die Deutsch-Russische Gesellschaft (DRG) in Ettlingen um einen Austausch sowie dauerhafte Verbindungen zwischen Deutschen und Russen. Im Rahmen ei­nes von der Stiftung Erinnerung, Ver­antwortung und Zukunft geförderten Begegnungsprojekts waren dieser Tage drei Zeitzeugen und zwei Betreuerinnen aus Gatschina in der Stadt zu Gast. Auch die Ettlinger BNN-Redaktion ha­ben sie wenige Tage vor dem Volkstrau­ertag, der an die Kriegstoten und die Opfer von Gewaltherrschaft erinnert, gemeinsam mit dem DRG-Vorsitzenden Gerhard Laier besucht und von ihren 
Erinnerungen an die deutsche Besat­zung im Zweiten Weltkrieg berichtet.

„Wir saßen gerade mit unserem Groß­vater im Keller, als wir hörten, wie die Faschisten auf Motorrädern kamen“, erzählt Kliment Levartovich (80) von derAnkunft der Wehrmachtsoldaten 1941. Wie die anderen Zeitzeugen war er damals noch ein Kleinkind und doch sind diese Erinnerungen an diese schlimme Zeit präsent.

Immer wieder hat er Tränen in den Augen. Auch zu Galina Sergeeva (80) kamen Soldaten in ihr Dorf Luga in der Oblast Leningrad. „Mein Vater war sowjeti­scher Offizier und als die Deutschen davon erfuhren, haben sie meine Mutter und uns Kinder zu einer Untersuchung abgeholt“, sagt sie. „Sie hat das vehement abgestritten und wir haben alle furchtbar geweint.“ Zunächst hatten sie Glück: Ein deut­scher Soldat hatte Mitleid mit den Kin­dern und ließ die Familie frei.Doch spä­ter wurden sie wieder von Soldaten auf­gegriffen – ein Schicksal, das alle drei Zeitzeugen aus Gatschina ereilte. In Güterzügen sollten sie zurZwangsarbeit nach Deutschland gebracht werden, doch die mehrmals von Partisanenangegriffenen Transporte kamen jeweils nur bis nach Litauen. Eine Zeit voller Hunger und ständiger Angst, ehe sie die Rote im Jahr 1944 befreite. „Wir waren so dankbar, dass wir überlebt ha­ben“, sagt Sergeeva. Und doch war es nach Kriegsen­de schwierig für die Überlebenden. „Die Häuser waren ja zerstört, man musste ganz von vorne anfangen“, erzählt Viktor Zozulia (81).

Nach dem Krieg habe man natürlich ein schlechtes Gefühl gegenüber Deut­schen gehabt. „Ich kann aber nicht sa­gen, dass wir alle Deutschen gehasst ha­ben. Esgab auf beiden Seiten Menschen, die den Krieg nicht wollten“, so Sergeeva. Überdie Jahre habe sich ihre Ein­stellung den Deutschen gegenüber geändert. Das wird auch im Gespräch mit den Zeitzeugen deutlich, die bei ihren Erzählungen nie pauschal von „den Deutschen“ sprechen, sondern stark dif­ferenzieren. Von Groll ist nichts zu spü­ren. Von ihrem ersten Besuch in Deutschland sind sie angetan.„Es ist hochentwickelt hier und total sauber“, findet Zozulia. „Auch die Natur ist sehr schön, die gilt es zu bewahren“, ergänzt Levartovich. Bei der Begegnung mit Menschen möchten die russischen Gäste an die tragische Zeit erinnern. Freundschaft, Respekt und Frieden sind Werte, die sie vor allem jungen Leuten vermit­teln wollen. „Die Menschen müssen ler­nen, auch andere Kulturen und Religio­nen wie den Islam zu respektieren“, appeliert Zozulia.

Aktuell werde der Frieden durch Leute wie Trump gefährdet. „Wir alle müssen dafür sorgen, dass sich so ein schreckli­cher Krieg nie mehr wiederholt”, sind sich die Russen einig.

BNN vom 15. 11.2018, Philipp Kungl

Vortrag Dr. Krieger, Uni Heidelberg

Zwei Millionen Russlanddeutsche danken für Wiedergutmachung

Viktor Krieger: „Kriegsfolgenschicksale bis heute vorhanden!“

In der Scheune der Ettlinger Diakonie ging es mit Begriffen hoch her. Die Zuhören vernahmen Worte wie „Kriegsfolgeschicksale, Erinnerungskultur und Erinnerungskämpfe sowie Schicksalsgemeinschaften“ Eingeladen hatte Gerhard Laier, Vorsitzender, der Deutsch-Russischen Gesellschaft Ettlingen, zusammen mit der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. In den Abend führt gekonnt Andreas Schulz, Historiker und Fachreferent für Jugend- und Vermittlungsarbeit an Gedenkstätten der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, ein mit der zentralen Frage des Abends: „Doch was heißt es konkret, wenn wir heute über Erinnerung und Vergangenheitsbewältigung als wichtige Bestandteile unserer kulturellen Identität sprechen?“ Zuvor hatte er die Ziele der Bundesregierung zitiert: „Wir wollen die dezentrale Erinnerungskultur mit ihrem zivilgesellschaftlichen Engagement stärken und zukünftig auch kleinere Initiativen und Gedenkstätten im In- und Ausland besser unterstützen“. Damit war enorm vorgelegt für den Heidelberger Historiker und Lehrbeauftragten der Universität Heidelberg, Dr. Viktor Krieger, der über 250 Jahre Geschichte der Russlanddeutschen bis in die Gegenwart referierte. Allein seit 1994 seien mehr als 150.000 Zuwanderer mit deutschen Wurzeln aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion nach Baden-Württemberg gekommen, die  ihre eigene Erfahrung und Kultur mitgebracht hätten. Er schätzte die Zahl dieses Personenkreises in Baden-Württemberg auf eine halbe Million und deutschlandweit auf rund zwei Millionen.

Katharina II.: Deutsche wurden nach Russland eingeladen und dann verfolgt

Durch den „Kolonistenbrief“ Katharinas II. aus dem Jahr 1763 zog es viele deutsche Siedler nach Russland. „Mit ihrer Sprache, ihrer Kultur und Tradition stellten sie im Zarenreich eine besondere Bevölkerungsgruppe dar und prägten in der Folgezeit die russländische Geschichte maßgeblich mit“, so Krieger und dann weiter: „keine 200 Jahre später wurden aus Siedlern Verfolgte“. Der bekannte Publizist der Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen erinnert daran, dass in den Jahren des Großen Terrors 1937-38 in Russland und vor allem seit 1941 die Nachfahren der ersten Siedler eine der exponiertesten Zielscheiben der staatlichen Repressalien waren, denn sie seien zu Zehntausenden ermordet, verhaftet und deportiert worden.

Da die Sowjetführung sich weigerte, ihre deutschen Bürger zu rehabilitieren und gleichberechtigt zu akzeptieren, reisten bereits seit Mitte der 1950er bis Ende der 80er Jahre über zwei Millionen Russlanddeutsche als (Spät-)Aussiedler in die Bundesrepublik, um hier als Gleiche unter Gleichen leben zu können. Viktor Krieger beleuchtete dabei in seinem Vortrag die Besonderheiten ihrer historischen Erfahrungen und ihrer Erinnerungskultur. Krieger sieht die Mehrzahl der Russen heute in „Deutschland angekommen“ an. Manche seien dies nicht, was aber sich mit den Jahren noch geben werde, wenn man ihnen die politische Teilhabe besser zugänglich mache. Tendenzen zu rechtsradikalen Kräften sieht der Historiker mit Sorge und die Gesellschaft müsse hier den Russen die Chance zur Integration unter Wahrung einer eigenen Identifikation belassen. Krieger sieht es als entscheidend an, dass mehr politische Entscheidungsträger russische Wurzeln und Verständnis für deren Situation haben sollten. Er vergleicht dieses mit Verantwortlichen anderer Nationen, die heute selbstverständlich in unseren Parlamenten vertreten seien.

Kriegsfolgeschicksale vor Sprache als Kriterium für die Aufnahme

ViktorKrieger verwies in seinem Vortrag auf die Rechtslage zur Aufnahme vonRusslanddeutschen in der Bundesrepublik. Krieger: „Entscheidend ist dasUnrecht, was diesen Deutschstämmigen in Russland durch die aggressive PolitikHitlerdeutschlands zuteilwurde!“ Er meinte damit, dass nur Russlanddeutschen,die selbst in der Zarenarmee dienten, auf einmal Verfolgte im eigenen Land war,weil sie nur von Deutschen abstammten und oft kein Wort Deutsch mehr sprachen.

Stuhl für Forschung der Russlanddeutschen gefordert

Krieger forderte auch verständlicherweise bessere Arbeitsbedingungen für Forschungsarbeiten, da er eine ungewöhnliche Situation in Heidelberg habe. Seine Situation sei die „einer budgetlosen Einrichtung des Landes Baden-Württemberg“. Ihm und anderen Akteuren werde stets Unterstützung von Politikern  zugesichert, aber die notwendige Finanzausstattung käme nicht.

Der Vorsitzende der Deutsch-Russischen Gesellschaft sah in diesem Abend zwei Dinge: „Zum einen verstehen wir die Situation der Russen in Deutschland besser und zum anderen muss die Finanzlage der Forschungsarbeit besser werden!“

Und was sagt doch das Regierungsprogramm der Großen Koalition dazu, fragte Schulz abschließend: „Das kulturelle Erbe der Deutschen in Mittel- und Osteuropa und das Kulturgut der Vertriebenen,Aussiedler und Spätaussiedler sind wichtige Bestandteile der kulturellen Identität Deutschlands.“ Dem hatten die Referenten und die Besucher des Abend nichts hinzuzufügen.


Gerhard Laier (Vorsitzender der Deutsch-Russischen Gesellschaft Ettlingen) mit Andreas Schulz (Fachreferent der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg) in der Mitte und Dr.Viktor Krieger (Lehrbeauftragter am Historischen Seminar der Universität Heidelberg, rechts)

Projekt östliche Partnerschaften

Besuch aus Gatschina
Arbeitsprogramm und Empfang im Ettlinger Schloss
Ettlingen (pm). Eine Delegation aus der russischen Partnerstadt Gatschina und dem Leningrader Oblast (vergleich­bar den Ländern des Bundes) war kürz­lich zu einem Arbeitsbesuch im Land­kreis Karlsruhe unterwegs. Im Mittel­punkt standen Einrichtungen im Stadt-und Landkreis Karlsruhe, die sich um die Unterstützung und die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen küm­mern. „Wir sind aktuell gefordert, uns neu zu orientieren“, sagte die Landrätin des Kreises Gatschina, Elena Ljubusch-kina, die die Delegation gemeinsam mit der Vorsitzenden für den Bereich Sozia­les im Leningrader Gebiet Ludmila Neschtschadim leitete. Sie bezog sich dabei auf die Situation von „Menschen, die Unterstützung brauchen“; um die­sen auf unterschiedliche Weise Behin­derten zu helfen, wolle man Erfahrungen sammeln. Was die Freundschaft zu Ettlingen angehe, so sei diese wertvoll, man werde alles dafür tun, um sie zu pflegen, so Ljubuschkina. OB Johannes Arnold empfing die Gruppe im Schloss. „Städtepartnerschaften tragen dazu bei, den Frieden in Europa zu erhalten, über den Tellerrand zu blicken und voneinan­der zu lernen“, sagte er. Anlässlich des 25 -jährigen Städtepartnerschaftsjubiläums 2017 habe man beim Besuch in Gatschina viel gelernt, was dem gegen­seitigen Verständnis diene, und wichtige Einrichtungen kennengelernt.
Maßgeblich unterstützt wurde der Aufenthalt der Russen jetzt durch den Vorsitzenden der Deutsch-Russischen Gesellschaft Ettlingen, Gerhard Laier, der eine Förderung durch ein Programm des Bundesaußenministeriums errei­chen konnte.

Weitgereist war die Delegation um Elena Ljubuschkina, die Landrätin des Kreises Gatschina, der südlich von Sankt Petersburg liegt. Die gleichnamige Stadt Gatschina verbindet eine lange Partnerschaft mit der Stadt Ettlingen und der Deutsch-Russischen Gesellschaft Ettlingen e.V.. Durch die engen Verbindungen weilt die Delegation diese Woche in der Region, um sich im Rahmen eines Programms des Auswärtigen Amtes über die Situation von behinderten Menschen zu informieren und zu erfahren, welche Unterstützung diese von staatlicher und privater Seite bekommen.

Als zuständige Behörde für die Eingliederungshilfe für Behinderte und Träger  von sechs Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) hat der Landkreis Karlsruhe ein umfassendes Aufgabengebiet in der Behindertenhilfe und so war der Austausch mit Landrat Dr. Christoph Schnaudigel am vergangenen Dienstag ein wichtiger Programmpunkt. Nach einem allgemeinen Überblick über den Landkreis Karlsruhe stellte der Landrat der siebenköpfigen Fachdelegation die aktuellen Entwicklungen dar. „Die Zahl der behinderten Menschen steigt kontinuierlich an und damit auch die finanzielle Unterstützung in Form der Eingliederungshilfe. Neben den Personalausgaben sind die Kosten der Eingliederungshilfe bei einem Haushaltsvolumen von knapp 500 Mio. Euro der zweitgrößte Ausgabeposten mit annähernd 60 Mio. Euro. Bei der Unterstützung handeln wir nach dem Grundsatz „ambulant vor stationär“, um den Inklusionsgedanken bestmöglich umzusetzen. Beispielsweise gibt es neben stationären Wohnheimen ambulante Wohngruppen, in denen behinderte Menschen betreut von Fachkräften leben und ihren Alltag, also einkaufen, kochen etc., organisieren. Uns ist auch die Vermittlung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wichtig, denn die Teilhabe am Arbeitsleben und der eigene Verdienst stärken die Selbstbestimmung und das Selbstbewusstsein“, berichtete Landrat Dr. Christoph Schnaudigel. Um Inklusion von Anfang an umzusetzen, hat der Landkreis Karlsruhe einige Außenstellen der SBBZ eingerichtet, um behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam zu beschulen, führte der Landrat weiter aus.

Elena Ljubuschkina bedankte sich im Namen der Delegation, die durch das Gespräch einen umfassenden Überblick über die Struktur und Aufgaben des Landkreises Karlsruhe gewonnen hat und die viele Anregungen mitnehmen wird, um Verbesserungen von behinderten Menschen in Gatschina anzugehen. Auf dem weiteren Programm stand u.a. noch ein Besuch der landkreiseigenen Ludwig Guttmann Schule in Karlsbad-Langensteinbach, ein SBBZ mit Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung.

Pressemitteilung Landratsamt Karlsruhe vom 15.10.2018

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Gastspiel des „Trio Libero“ am 7. Oktober im Rittersaal, Schloss Ettlingen

Ein außergewöhnliches Musikereignis verspricht das Gastspiel des hochkarätigen Musiktrios „Libero“ am Sonntag, 7. Oktober um 19:00 Uhr im Rittersaal, Schloss Ettlingen.
Die Flötistin Olga Reiser und der Pianist Dias Karimov haben das “Duo Libero” im Jahr 2016 in Wiesbaden gegründet. Beide Musiker stammen aus Russland und sind in ihrer Heimat sowie in Deutschland ausgebildet. Als Solisten und in Kammerensembles haben Olga und Dias an verschiedenen internationalen Wettbewerben und Festivals Publikum und Kritiker begeistert. Beide verbinden Klassik und Jazz zu ihrer eigenen musikalischen Sprache.

In ihren Konzerten spielen sie Werke von Satie, Poulenc, Bolling und Petrucciani. Um ihre Programme zu bereichern, erweiterten Reiser und Karimov gelegentlich ihre Besetzung und luden andere Künstler ein mitzuspielen.
Dadurch entstand das „Trio Libero” mit dem Kontrabassist Pavel Klimashevsky, Jazzkomponist, Arrangeur und musikalischer Kopf des Absinto Orkestra, der auch in Wiesbaden lebt und an der Hochschule für Musik Mainz als Dozent tätig ist.
„Jede Nuance wird dabei zu einem Erlebnis, weil die Musiker bei ihrem feinen Zusammenspiel so hervorragend aufeinander reagieren. Schon nach kurzer Zeit sind die Begriffe “Jazz” und “Klassik” vergessen, und es geht nur noch um Melodien, Emotionen und Geschichten“.
Konzertkarten kosten 15 Euro und sind im Vorverkauf über die Stadtinformation Ettlingen oder an der Abendkasse (18 €) erhältlich.
Stadtinformation in Ettlingen, Schloßpl. 3, 76275 Ettlingen
Öffnungszeiten:
Öffnet um 09:30 – 16:00 Mo-Fr, Sa bis 12:30
Telefon: 07243 101333

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Nacht der Musik – ночь музыки

Nacht der Musik in Gatschina. 7./8 Juli 2018 im Schlosspark

ПРОГРАММА

23.00

Симфонический оркестр Михайловского театра
Дирижер — Модестас ПИТРЕНАС (Литва)

— Петр Ильич ЧАЙКОВСКИЙ (1840-1893)
Славянский марш

— Вольфганг Амадей МОЦАРТ (1756-1791)
Симфония №40, соль минор
Allegro
Andante
Menuetto
Allegro assai

24.00

Симфонический оркестр Михайловского театра
Дирижер — Модестас ПИТРЕНАС
Солистка — Элиан РОДРИГЕС, фортепиано (Бразилия/Бельгия)

— Петр Ильич ЧАЙКОВСКИЙ
Сюита из балета «Лебединое озеро»
Сцена
Вальс
Танец маленьких лебедей
Сцена
Венгерский танец (Чардаш)
Сцена

— Джордж ГЕРШВИН (1898-1937)
Рапсодия в стиле блюз для фортепиано с оркестром

01.00

Симфонический оркестр театра Мюзик-Холл «Северная Симфония»
Дирижер — Фабио МАСТРАНДЖЕЛО

— Дмитрий Дмитриевич ШОСТАКОВИЧ (1906-1975)
Праздничная увертюра

— Петр Ильич ЧАЙКОВСКИЙ (1840-1993)
Вальс цветов из балета «Щелкунчик»

— Николай Андреевич РИМСКИЙ-КОРСАКОВ (1844-1908)
Пляска скоморохов из оперы «Снегурочка»

— Михаил Иванович ГЛИНКА (1804-1857)
Марш Черномора из оперы «Руслан и Людмила»

— Анатолий Константинович ЛЯДОВ (1855-1914)
Полонез

— Арам Ильич ХАЧАТУРЯН (1903-1978)
Вальс из музыки к драме «Маскарад»

— Сергей Сергеевич ПРОКОФЬЕВ (1891-1953)
Танец рыцарей из балета «Ромео и Джульетта»

— Рейнгольд Морицевич ГЛИЭР (1875-1956)
Танец моряков из балета «Красный мак»

— Александр Порфирьевич БОРОДИН (1833-1887)
Половецкие пляски из оперы «Князь Игорь»

02.00

Симфонический оркестр театра Мюзик-Холл «Северная Симфония»
Дирижер — Фабио МАСТРАНДЖЕЛО

— Джоаккино РОССИНИ (1792-1868)
Увертюра к опере «Севильский цирюльник»

— Иоганн ШТРАУС-СЫН (1825-1899)
Персидский марш

— Иоганнес БРАМС (1833-1897)
Венгерские танцы
№3 фа мажор
№5 соль минор
№10 фа мажор

— Леонард БЕРНСТАЙН (1918-1990)
Увертюра к опере «Кандид»
Mambo из мюзикла «Вестсайдская история»

— Эдвард ГРИГ (1843-1907)
Из музыки к драме Г. Ибсена «Пер Гюнт»
Утро
В пещере горного короля
Танец Анитры

— Эдуард ЭЛГАР (1857-1934)
Марш «Страна надежды и славы»