Kulturtransfer und ‚kulturelle Identität‘ – Deutsch-russische Kontakte im europäischen Kontext

Nadine Rahner, eben erst von einem längeren Aufenthalt aus Moskau zurückgekehrt, befasst sich in ihrer Doktorarbeit mit den 3 russischen Literaturnobelpreisträgern Pasternak, Scholochow und Solschenizyn und deren Funktion als Kulturvermittler. Sie wird darüber in der Scheune berichten und das internationale Graduierten Kolleg der Universität Freiburg vorstellen.

Mit Pasternak, Scholochow und Solschenizyn wurde drei russischen Schriftstellern der Literaturnobelpreis verliehen, die differenter nicht sein könnten: Pasternak ist der Intelligenzija zuzurechnen, Scholochow gilt als einer ‘der Schriftsteller’ der Sowjetunion und Solschenizyn ist einer der viel rezipierten Dissidenten im Westen. Spätestens mit der Verleihung des Literaturnobelpreises gerieten die Autoren in die globale Wahrnehmung, übernahmen die Funktion als russische Kulturvermittler, dienten als Objekte der Instrumentalisierung im Kalten Krieg und ihre Werke erlangten internationalen Bekanntheitsgrad. Der Transfervorgang einschließlich der Übersetzung, die deutsche Publikationsgeschichte ihrer Werke und die Rezeption der Autoren und ihrer Werke in Deutschland wurden jedoch noch nicht oder nur teilweise aufgearbeitet.

Deshalb macht es sich diese Arbeit zur Aufgabe, zu untersuchen, inwieweit die Autoren mit ihrem Status als Literaturnobelpreisträger die Funktion von Kulturvermittlern einnehmen, welche Vermittlerfiguren und Institutionen hinter dem Transfer ihrer Werke nach Deutschland standen, ob und wie diese vermittelnden Personen und Institutionen die Rezeption lenkten und welche Faktoren zur Rezeption der Werke und ihrer Person im jeweiligen Land führten und diese beeinflussten.
Als theoretische Grundlage für diese Ausführungen dient vor allem die Kulturtransfertheorie. Um die für den Transfer relevanten Vermittlerfiguren und -institutionen herauszustellen, wird mit netzwerktheoretischen Ansätzen gearbeitet. Auf Textebene werden Motive herausgearbeitet, die bei der Untersuchung der Rezeption als Indikatoren dafür dienen sollen, inwieweit sich die rezipierten Motive aufgrund gesellschaftlicher, politischer und historischer Wandlungen veränderten.

Mit dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Universität Freiburg und der Russischen Staatlichen Humanwissenschaftlichen Universität (RGGU) Moskau gemeinsam finanzierten Internationalen Graduiertenkolleg  „Kulturtransfer und ‚kulturelle Identi­tät‘ – Deutsch-russische Kontakte im europäischen Kontext“ wurde 2014 zum ersten Mal ein ge­meinsames deutsch-russisches Graduiertenkolleg im Bereich der Geisteswissenschaften eingerichtet.

Vortrag mit Diskussion, Referentin: Nadine Rahner, Doktorandin, Universität Freiburg
Scheune, Pforzheimerstraße 31b, Dienstag, 9. April, 19 Uhr

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Arbeitstreffen in der russischen Botschaft


Am 5. April fand in der Botschaft der Russischen Föderation ein Treffen von Vertretern der Vereine, Partnerstädte sowie Organisationen und Initiativen, die in der deutsch-russischen Zusammenarbeit aktiv sind mit Sergej Netschajew, Botschafter der Russischen Föderation und Mitarbeitern der Russischen Botschaft statt. Nach einer Begrüßung durch Botschafter Netschajew wurde im Wechsel von kurzen Einführungsvorträgen mit anschließenden Fragen und Diskussionen zu verschiedenen Themenblöcken diskutiert. Beim Punkt „Arbeit der deutsch-russischen Vereine und Gesellschaften – aktuelle Schwerpunkte und Probleme sowie künftige Arbeitsschwerpunkte und Perspektiven“ stellten Eva Aras, Partnerschaftsverein Köln-Wolgograd, und Manfred Czychi, Freundschaftsgesellschaft Karlsruhe-Krasnodar, die Arbeit ihrer Vereine dar. Beim „Blick auf die deutsch-russischen Städtepartnerschaften“ blickte Peter Steger, Partnerschaftsbeauftragter der Stadt Erlangen, auf die langjährige Zusammenarbeit mit der Partnerstadt Wladimir. Gerhard Laier, Deutsch-Russische Gesellschaft Ettlingen, stellte die Zusammenarbeit mit Gatschina dar. Jens Koopmann, Partnerschaftsbeauftragter der Stadt Osnabrück, präsentierte gemeinsam mit Maria Madenowa, Städtebotschafterin aus Twer, das Austauschprojekt von Städtebotschaftern mit fünf Partnerstädten. Beim Thema „Fragen zum Kulturaustausch und der Präsentation russischer Kultur in den Regionen“ stellten Franz Kiesl, Forum Russische Kultur Gütersloh, die vielfältige Kulturarbeit des Vereins u.a. mit jährlich 12 bis 15 Musikveranstaltungen und Christiane Marx, Deutsch-Russische Gesellschaft Münster/Münsterland, die Russischen Filmtage in NRW sowie die Zusammenarbeit des Wolfgang Borchert Theater Münster mit dem Staatlichen Dramentheater in Münsters Partnerstadt Rjasan vor. Der 1. Botschaftsrat Oleg Ksenofontow, Leiter Referat Kultur und Medien, machte die rund 70 Teilnehmer mit den diesjährigen „Russian Seasons“ mit insgesamt fast 400 Veranstaltungen in ganz Deutschland bekannt. Mit dem Projekt will sich die russische Kultur dem ausländischen Publikum präsentieren. Bei Thema „Sprachförderung Russisch – Probleme und Perspektiven“ legten Willi Lückel, Vorsitzender des Deutschen Russischlehrerverbandes und Oksana Kogan-Pech, Projekt RussoMobil, die zum Teil recht schwierige Situation des Russischen an den deutschen Schulen dar. Russisch steht bei Deutschlands Schülern bei der Sprachwahl an 5. Stelle, derzeit lernen etwa 105.000 Schüler Russisch. Mit Blick auf das „Deutsch-Russisches Jahr des Wissenschaftsaustausches, Probleme Fachaustausch“ stellte Helene Luig-Arlt, Deutsche Freundschaftsgesellschaft West-Ost in Schleswig-Holstein, die Arbeit des BDWO-Arbeitskreises Fachaustausch vor. Botschaftsrat Alexander Rusinow, Leiter des Referates für Bildungs-, Wissenschafts- und Technikfragen, stellte Projekte des gegenwärtigen „deutsch-russische Kreuzjahres“ vor und verwies auf die kürzlich zwischen Deutschland und Russland beschlossene „Roadmap“ der Zusammenarbeit im wissenschaftlichen Bereich für die kommenden zehn Jahre. Besprochen wurden auch „Visafragen“, dabei dankte Helmut Hinrichs, der russischen Seite insbesondere dafür, dass Russland bisher darauf verzichtet habe bei der Visabeantragung Fingerabdrücke zu nehmen wie sie seit September 2017 für ein Schengen-Visum bereits von Kindern ab 12 Jahren genommen werden. Botschaftsrat Konstantin Nefedow, Leiter der Konsularabteilung, verwies darauf, dass im Jahr 2018 360.000 Visa erteilt wurden. Er betonte, dass die russische Seite jederzeit auf der Basis von Gegenseitigkeit zu Visa-Erleichterungen bereit sei.