Ehrenbürger Wolfgang Lorch verstorben

Bewegende Trauerfeier für Wolfgang Lorch

Stadtgeschichte populär gemacht
Ehrenbürger Wolfgang Lorch ist im Alter von 74 Jahren gestorben

Er hatte seine eigene Rubrik in den BNN, Lokalausgabe Ettlingen, und die war populär: „Stadtgeschichte mit Wolf gang Lorch“. Wenn sie ein paar Wochen lang nicht erschien, dann gab es Nachfragen, wo denn „der nächste Lorch bleibt“.
Ob er an das Ende des Spanischen Erbfolgekriegs vor 300 Jahren und die Konsequenzen für Ettlingen erinnerte, oder an die 175-jährige Geschichte der Spinnerei oder – wie zuletzt – an die Julikrise 1914 und den Ausbruch des Ersten Weltkriegs – Wolfgang Lorch war stadtgeschichtlich omnipräsent.
Wie kein Zweiter verstand es der vormalige Pädagoge, weitreichende historische Ereignisse auf die lokale Ebene herunterzubrechen und aufzuzeigen, welche Auswirkungen sie auf jeden einzelnen Ettlinger hatten. Einer seiner letzten Beiträge, die er in der Reiaktion wie immer persönlich vorbeibrachte, oftmals mit einem dem Text beigelegten Bilddokument, befasste sich mit der Einberufung Ettlinger Soldaten Ende August 1914.
Gerne hätte Wolfgang Lorch, wie er uns bei seinen Besuchen regelmäßig versicherte, das Erinnern an die Ereiglisse des Ersten Weltkriegs publizisisch weiterbegleitet, aber seine schwee, rasch fortschreitende Krankheit raubte ihm in den letzten Monaten dazu die Kraft. „Stadtgeschichte mit Wolfgang Lorch“ wird es nicht mehr geben – 74-jährig starb der Stadthistoriker am ersten Weihnachtsfeiertag im Kreise seiner Familie. Erst vor drei Wochen, am Nikolaustag, hatte die Stadt ihm den Titel Ehrenbürger verliehen, den in der Nachkriegszeit nur vier Männer vor ihm erhalten haben. Sie würdigte damit Wolfgang Lorchs Rolle als „historisches Gedächtnis und Gewissen“ und insbesondere seine Verdienste um die Aufarbeitung der Geschichte jüdischen Lebens an der Alb.
Unter anderem war Lorch maßgeblich daran beteiligt, dass den von den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Juden ein Denkmal nahe der vormaligen Synagoge in der Pforzheimer Straße gesetzt wurde.
Mit Lorchs Namen verbunden sind unzählige Publikationen, langjährige Mitarbeit in der stadtgeschichtlichen Kommission und zahllose Stadtführungen zu historischen bedeutsamen Orten und Plätzen.
Man hörte Wolfgang Lorch gerne zu. Nicht nur, weil er über einen schier unerschöpflichen Zitatenschatz verfügte, sondern auch und vor allem, weil es ihm gelang, auch komplexe Sachverhalte allgemein verständlich herüberzubringen.
Wolfgang Lorch liebte die großen Philosophen, er liebte Goethe und vor allem Schiller. Er verkämpfte sich dafür, im Dunstkreis der gleichnamigen Schule ein Denkmal für Friedrich Schiller- zu bekommen. Kaum eine Haushaltsrede in seiner Zeit als SPD Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, die nicht ein geflügeltes Wort großer deutscher Dichter und Denker beinhaltete.
Dem Gremium gehörte Lorch zwei Jahrzehnte an; auch nach seinem Ausscheiden 2009, das ihm nicht leicht fiel, hielt er Kontakt zur Kommunalpolitik, war er in der Fraktion immer mal wieder präsent. Und er mischte sich weiter aktiv ein – zuletzt erkennbar im Wahlkampf für den heutigen OB Johannes Arnold. Der würdigte Lorch gegenüber unserer Redaktion wie folgt: „Der Familie gehört mein Mitgefühl. Der Tod von Wolfgang Lorch ist ein großer Verlust für die Stadt.“ Lorch habe Stadtgeschichte mitgeschrieben; als Politiker habe er zwar polarisiert, aber die außergewöhnliche Liebe zu seiner Heimatstadt habe alle versöhnt. Letzteres habe sein Wirken ausgemacht.
Heidi Schulte-Walter/Johannes Christof Weis

Wolfgang Lorch


Gedenken an Wolfgang Lorch